Die Trockenstehphase ist eine unverzichtbare Phase im Lebenszyklus jeder Milchkuh. Eine bedarfsgerechte Fütterung der Trockensteher in dieser Phase unterstützt die Gesundheit von Kuh und Kalb und reduziert das Risiko von Stoffwechselstörungen wie Ketose oder Milchfieber nach der Geburt. Eine sorgfältige Planung und Begleitung dieser Phase ist daher entscheidend für eine wirtschaftlicheMilchproduktion. Dabei möchten wir Sie mit diesem Ratgeber unterstützen.
Fütterung von Trockenstehern
Die Trockenstehzeit und insbesondere die Fütterung der Trockensteher entscheiden maßgeblich darüber, wie stabil Ihre Kühe in die nächste Laktation starten. Typische Herausforderungen nach der Abkalbung sind eine schwankende Futteraufnahme, übermäßigeFettmobilisation und eine stark belasteteLeber. Mit einer gezielten Fütterungsstrategie und einem angepassten Management lässt sich die Transitphase deutlich sicherer gestalten.
Wie lang sollte die Trockenstehphase sein?
Darst. 1: Einfluss der Trockenstehdauer auf die 305-Tage-Leistung
Die Länge der Trockenstehzeit hat einen entscheidenden Einfluss auf die Milchleistung. Kühe mit einer Trockenstehzeit zwischen 50 und 70 Tagen erreichen die besten Ergebnisse in der folgenden Laktation (s. Darst. 1). Außerhalb dieser Trockenstehdauer steigt das Abgangsrisiko und die Fruchtbarkeit sinkt. Eine ausreichend lange Ruhephase ermöglicht dem Euter eine vollständige Regeneration.
Welche Körperkondition sollten Trockensteher haben?
Die Körperkondition zur Kalbung hat erheblichen Einfluss auf Gesundheit und Leistung in der folgenden Laktation. Ziel ist ein Body Condition Score (BCS) von etwa 3,0 bis 3,5 Punkten zum Trockenstellen. Überkonditionierte Kühe mobilisieren nach dem Abkalben häufig größere Mengen an freien Fettsäuren (NEFA), was die Risiken für Ketose und Leberbelastungen erhöht. Unterkonditionierte Tiere verfügen dagegen über zu geringe Energiereserven für einen erfolgreichen Laktationsstart. Während der Trockenstehzeit sollte sich der BCS nicht um mehr als 0,5 Punkte verändern.
Wie sollte die Ration von Trockenstehern gestaltet sein?
Darst 2: Wichtige Rationskennzahlen für ein- und zweiphasige Trockensteher-Rationen
Trockensteher reagieren sensibel auf Veränderungen. Die Ration sollte möglichst konstant bleiben und sich von den eingesetzten Futtermitteln an der späteren Laktationsration orientieren. Gleitende Anpassungen ermöglichen es den Pansenmikroben, sich ohne Leistungseinbrüche umzustellen.
Die Ration der Trockensteher kann grundsätzlich ein- oder zweiphasig gestaltet sein (s. Darst.2). Bei beiden Varianten sollte die tägliche Futteraufnahme über 12 kg Trockenmasse (TM) liegen, damit die Volumenkapazität des Pansens bis zur Geburt nicht zu stark abnimmt und die Trockenmasseaufnahme zu Beginn der Laktation hemmt.
Welche Rolle spielt das DCAB-Konzept (Kationen-Anionen-Bilanz) in der Trockenstehzeit?
Das DCAB-Konzept (Dietary Cation-Anion Balance) ist ein entscheidendes Werkzeug in der Trockensteherfütterung zur Vorbeugung von Milchfieber (Gebärparese). DCAB beschreibt das Verhältnis von positiv geladenen Kationen (vor allem Kalium und Natrium) zu negativ geladenen Anionen (vor allem Chlorid und Schwefel) in der Ration.
Darst. 3: DCAB-Gehalte von Mais- und Grassilaagen sowie Stroh in 2025
Ein negativer DCAB-Wert (erreicht durch saure Salze) senkt den Blut-pH-Wert leicht ab. Diese kontrollierte metabolische Azidose aktiviert die körpereigenen Hormone Parathormon und Vitamin D3. Dadurch kann die Kuh zum Kalbezeitpunkt Calcium deutlich schneller aus den Knochen mobilisieren und effizienter im Darm aufnehmen. Ältere Kühe reagieren träger auf hormonelle Reize; jüngere Tiere geraten unter Stress oder bei verminderter Futteraufnahme schnell in ein Calcium-Defizit. Die größte Herausforderung liegt daher im Grundfutter. Die DCAB-Werte schwanken im Futter extrem (s. Darst. 3) von -90 bis +800 meq/kg TM. Ohne eine präzise Grundfutteranalyse ist also eine gezielte DCAB-Steuerung unmöglich.
Wie sollte die Calcium- und Phosphorversorgung aussehen?
Wichtig zu wissen ist, dass das DCAB-Konzept nur funktioniert, wenn die Mineralstoffmenge in der Ration exakt auf die Phasen der Trockenstellung abgestimmt sind.
In der frühen Trockenstehphase sollte daher eine moderate Calciumzufuhr vorliegen. Eine deutliche Calciumüberversorgung in dieser Phase kann die Fähigkeit des Organismus zur eigenständigen Calcium-Mobilisation beeinträchtigen.
Wird während der Vorbereitungsfütterung, ca. 3 Wochen vor der Kalbung, eine DCAB-Strategie gefahren, darf und sollte der Calciumgehalt in der Ration sogar leicht angehoben werden (ca. 0,7 bis 0,9 % in der TM). Die sauren Salze erhöhen die Ausscheidung von Calcium über den Urin und der Darm ist bereit mehr aufzunehmen.
Wird dagegen auf eine Ration ohneeine abgesenkte DCAB gesetzt, muss Calcium extrem gering gehalten werden (<0,40 % in der TM), um die Mobilisation durch das Erzeugen eines künstlichen Mangelzustands anzuregen.
Phosphor ist der Gegenspieler von Calcium. Zu hohe Phosphorgehalte in der Trockensteherration (> 0,35 % in der TM) blockieren die Bildung von aktivem Vitamin D3 in der Niere. Das führt unweigerlich zu einer schlechteren Calcium-Mobilisation und erhöht das Milchfieberrisiko drastisch.
Welche Bedeutung hat Magnesium für Trockensteher?
Magnesium nimmt eine Schlüsselrolle im Calciumstoffwechsel der Milchkuh ein.
Ist genügend Magnesium vorhanden, kann das Parathormon seine Wirkung an Knochen und Nieren entfalten. Bei einem Magnesiummangel ist die Calcium-Mobilisation eingeschränkt.
Ein großes Problem in der Praxis sind hohe Kaliumgehalte im Grundfutter (z.B. durch intensive Gülle-Düngung auf dem Grünland). Kalium blockiert die passive Magnesiumaufnahme im Pansen. Um das Problem zu lösen, muss der Magnesiumgehalt angehoben werden (mindestens 0,35 bis 0,45 % in der TM). Dabei ist auf eine hohe Löslichkeit der Magnesiumquelle (z.B. mikronisiertes Magnesium mit dem SCHAUMANN-Wirkstoff MiMag) zu achten, um die Blockade durch Kalium zu durchbrechen.
Wie wichtig sind Vitamine in der Trockensteherfütterung?
Vitamine sichern die Immunität der Kuh, die Vitalität des Kalbes und die Qualität der Biestmilch (Kolostrum).
Vitamin A ist essenziell für den Schutz und die Regeneration der Schleimhäute (Gebärmutter, Euter). Ein Mangel führt häufiger zu Nachgeburtsverhalten und verzögert die Rückbildung der Gebärmutter.
Vitamin D3 ist der direkte Partner des Calciums. Es steuert die Calcium-Absorptionsproteine im Darm. Eine bedarfsgerechte Versorgung ist Pflicht. Eine extreme Überdosis kurz vor der Geburt (als Spritze) ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, da sie den Regelkreis auch lahmlegen kann.
Vitamin E und Beta-Carotin wirken als starke Antioxidantien und unterstützen das Immunsystem rund um die Kalbung. In der Phase der Geweberegeneration (Involution/Rückbildung der Gebärmutter nach der Geburt) und bei der Bildung von Kolostrum sinkt der Vitamin-E-Spiegel im Blut der Kuh drastisch ab. Eine hohe Versorgung (mindestens 1.500 bis 2.000 mg Vitamin E pro Kuh und Tag in der Vorbereitung) senkt nachweislich die Rate an Euterentzündungen (Mastitis) nach dem Abkalben und verbessert die Fruchtbarkeit im nächsten Zyklus.
Wie sollte die Wasserversorgung in der Trockenstehzeit gestaltet sein?
Die Wasserversorgung zählt zu den am häufigsten unterschätzten Faktoren in der Trockenstehzeit. Sie hat aber massiven Einfluss auf die Futteraufnahme und die DCAB-Wirkung. Eine Kuh benötigt pro Kilogramm aufgenommener Futter-Trockenmasse etwa 4 bis 5 Liter Wasser. Dies bedeutet: Eine trockenstehende Kuh (je nach Gewicht und Trächtigkeitsstadium) frisst täglich ca. 11 bis 14 kg Trockenmasse (TM). Daraus ergibt sich ein rein biologischer Erhaltungs- und Wachstumsbedarf von ca. 50 bis 80 Litern Wasser pro Kuh und Tag. Dabei ist zu bedenken, dass eine hohe Durchflussrate von 25-30 l/Minute entscheidend für eine ausreichend hohe Wasseraufnahme ist. Diese Menge können Kühe in einer Minute aufnehmen. Auch die Zugänglichkeit der Tränke muss jederzeit gewährleistet sein.
Wird in der Trockenstehphase eine strohreiche Ration (z.B. nach dem Kompakt-Trockensteher-Prinzip mit viel gehäckseltem Stroh und Wasserbeigabe im Mischwagen) gefüttert, verändert sich das Trinkverhalten:
Da die Ration im Mischwagen oft schon mit zusätzlichem Wasser angemischt wird, um das Sortieren zu verhindern, nimmt die Kuh einen Teil des Wassers bereits über das Futter auf.
Der hohe Rohfaseranteil (Stroh) im Pansen bindet extrem viel Flüssigkeit für den Verdauungsprozess. Steht den Trockenstehern nicht genügend frisches Wasser zur Verfügung, sinkt die Verdaulichkeit der Faseranteile drastisch, die Passagerate stockt und die Futteraufnahme bricht ein.
Wenn die tägliche Futterration saure Salze zur DCAB-Absenkung enthält, steigt auch der Wasserbedarf deutlich an. Kühe müssen dann bis zu 10-20 % mehr Wasser aufnehmen als normal.
Mineralfutter für Trockensteher von SCHAUMANN
Für die Trockenstehphase bietet SCHAUMANN verschiedene Mineralfutter für Trockensteher an. Dabei ist in allen Mineralfuttern der Wirkstoff MiMag (mikronisiertes Magnesium) enthalten, um Trockenstehern zuverlässig Magnesium zur Verfügung zu stellen. Durch seine bis zu 8-fach höhere Löslichkeit steht das Magnesium schnell und effektiv zur Verfügung und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Milchfieberprophylaxe. Eine Untersuchung der ISF Schaumann Forschung in Zusammenarbeit mit der Universität Kiel bestätigte diese Wirkung von MiMag auf Gut Hülsenberg.
Welche Trockensteher-Mineralfutter bietet SCHAUMANN im Einzelnen an?
Mit den RINDAVITAL VK-Mineralfuttern stehen verschiedene Lösungen für unterschiedliche Anforderungen in der Trockensteherfütterung zur Verfügung.
RINDAVITAL VK ONE PLUS kombiniert ansäuernde Komponenten mit MiMag, AMINOTRACE (organisch gebundene Spurenelemente) und ZELLPRO (Zellschutzkomplex aus antioxidativ wirksamen Komponenten). Das Mineralfutter unterstützt Muskelstoffwechsel, Fruchtbarkeit und Zellschutz.
RINDAVITAL VK ONE C PLUS sorgt durch leichte Ansäuerung für eine sichere Milchfieberprophylaxe mit zusätzlichem pansengeschütztem Carnitin. L‑Carnitin fördert die Oxidation (Verstoffwechselung) von Fettsäuren in der Leber, entlastet diese und unterstützt einen leistungsstarken Start in die Laktation.
RINDAVITAL VK ONE CC bietet mit der Kombination aus Cholinchlorid und L-Carnitin einen optimalen Leberschutz für Hochleistungskühe. Cholinchlorid ist am Fetttransport aus der Leber beteiligt und verhindert so eine Leberverfettung, die das Ketoserisiko erhöht.
RINDAVITAL VK CLASSIC unterstützt eine calciumarme Trockensteherfütterung ohne Absenkung des DCAB und stärkt Fruchtbarkeit und Abwehrkräfte. ZELLPRO und AMINOTRACE liefern gezielte Stoffwechsel- und Zellschutzimpulse.
RINDAVITAL VK S säuert die Ration der Trockensteher stark an und senkt deren DCAB-Wert stark ab. So können Sie bei Ihren Kühen zielgerichtet Milchfieber vorbeugen.
Weitere Produkte für Trockensteher von SCHAUMANN
Im Portfolio von SCHAUMANN gibt es außerdem weitere Futtermittel für Trockensteher.
Die TIRSANA-Energieaufwerter liefern schnell verfügbare Energie aus Propylenglykol, Glycerin, Isomaltulosemelasse und Glucosesirup. Die schmackhafte Kombination der Inhaltsstoffe gewährleistet eine langfristigere und gleichmäßigere Energieversorgung gegenüber reinem Propylenglykol. Die Produkte fördern einen leistungsfähigen Stoffwechsel und begleiten die Kühe optimal in der sensiblen Startphase.
Darst. 4: Freie Fettsäuren-Konzenration im Blut nach 24 Stunden im Vergleich
Außerdem verhindern sie so eine übermäßige Fettmobilisation bei Ihren Kühen. In einer Untersuchung der Universität Leipzig senkte TIRSANA 1312 die Konzentration der freien Fettsäuren im Blut um 28 % im Vergleich zur Kontroll-Variante (s. Darst. 4).
Mit RINDAVITAL VARIO S können Sie durch die enthaltenen sauren Salze den DCAB-Wert von Trockensteherrationen gezielt steuern und flexibel auf wechselnde Grundfuttersituation anpassen.
Darst. 5: Einfluss von Cholin auf die Milchleistung in den ersten 100 Laktationstagen
Das Topdressing RINDAVITAL VARIO HEPA unterstützt Ihre Trockensteher in der Transitphase, indem das pansengeschützte Cholinchlorid den Abtransport von Fett aus der Leber fördert. So sinkt das Risiko einer Leberverfettung und Ihre Milchkühe starten sicherer in die Laktation. In einer Untersuchung der ISF Schaumann Forschung gaben die Milchkühe durch den Einsatz von Cholin mehr Milch pro Tag (s. Darst. 5).
Fazit
Eine erfolgreiche Trockensteherfütterung erfordert ein abgestimmtes Zusammenspiel aus Rationsgestaltung und Management. Mit den passenden Fütterungskonzepten und Produkten unterstützt SCHAUMANN Sie dabei, Ihre Kühe optimal auf die nächste Laktation vorzubereiten.
Welche individuelle Strategie zu Ihrem Betrieb passt, erfahren Sie im persönlichen Gespräch mit Ihrer SCHAUMANN-Fachberatung vor Ort. Kontaktieren Sie uns gerne.
Die RINDAVITAL VK-Produktlinie bietet bewährte Strategien und innovative Konzepte für die erfolgreiche ein- und zweiphasige Trockensteherfütterung, mit denen jeder Milchviehbetrieb seine Kühe in der wichtigen Phase rund um die Geburt optimal versorgen kann.
Der innovative Wirkstoff MiMag verbessert die Magnesiumversorgung von Milchkühen und Bullen. Magnesium spielt eine entscheidende Rolle in der Milchfieberprophylaxe. Außerdem ist hat es vielfältige Aufgaben im Stoffwechsel und sorgt für ruhige, vitale Bullen.
Insbesondere der Laktationsstart stellt immer wieder eine große Herausforderung für Fütterung und Management dar. Mit dem neuen RINDAVITAL VARIO HEPA kann Leberverfettung und Ketose jetzt aktiv entgegengewirkt werden.
Zu Laktationsbeginn befinden sich Kühe in einem Energiedefizit. Dies kann zu Störungen des Stoffwechsels führen. TIRSANA kombiniert den gezielten Einsatz von flüssigen Energiebausteinen mit speziellen Wirkstoffkomplexen zur Entlastung des Leberstoffwechsels.
Auf Gut Hülsenberg in Schleswig-Holstein werden die SCHAUMANN-Produkte und -Fütterungskonzepte in der täglichen Praxis getestet. Auch hier stellen die Trockenstehzeit und die Transitphase die wichtigsten und zugleich sensibelsten Phasen für die erfolgreiche Milchproduktion dar.
Bei der Trockensteherfütterung zählen nicht nur die Kosten, sondern vor allem der Nutzen. Die Agrargesellschaft Kandelin hat ihre 305-Tage-Leistung durch verschiedene Maßnahmen in den letzten 14 Jahren auf rund 11.000 kg gesteigert.